Ein Rabbi am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Ein Rabbi sagt gedanklich Gott Dank als er aus der Synagoge kommt.

Er dankt ihm, daß er ihn durch Geburt dem auserwählten Volk hat angehören lassen; daß er ihn bestimmt hat, die Rituale zu vollziehen; daß er ihm den Glauben verliehen hat; und er beteuert ihm seine vollkommene Anbetung und sein ganzes Vertrauen in Ihn und Ihn allein.

Doch wie er da so in Gedanken versunken ist, fällt der Rabbi in einen Felsspalt. Im Fall kann er sich gerade noch an einem kleinen Zweig festhalten, doch der ist nicht sehr stabil. Voller Angst vor dem Nichts ruft er um Hilfe:

„Ist da jemand? Ist da jemand?“

Als Antwort nichts als Schweigen. Wieder ruft er, bis eine Stimme ihn verstummen lässt. Eine tiefe Stimme, die von oben kommt. Von sehr weit oben:

„Mein Sohn, ich habe deinen Ruf gehört. Fürchte dich nicht und laß diesen Zweig los. Meine Engel werden dich tragen und dich sanft am Grund dieses Felsspalts absetzen.“

Wieder beäugte der Rabbi das Nichts unter seinen Füßen.

Nach einer Weile ruft er:

„Ist da sonst noch jemand?!

14 Gedanken zu “Ein Rabbi am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

  1. Das besondere ist ja, dass man ja sonst immer sagt, die meisten Menschen werden gerade in Notsituationen, mit dem Tod vor Augen, mit einem Male doch noch gläubig. Deine Geschichte zeigt: Es geht auch genau andersherum;-)

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