Entgiftungskur in Indien

So, heute berichte ich von meiner Ayurveda-Behandlung. Fotos gibt es aber keine. Aber es wird auch so interessant sein….denke und hoffe ich zumindestens 😉

Wie ja einige von Euch mitbekommen hatten, nahm ich mir vor einer Weile eine längere Blogpause. Der Grund war, daß ich in Indien sehr krank war.

Es begann mit Durchfall (was in Indien nicht ungewöhnlich ist) und endete mit einer reaktiven Arthritis in meinen Fußgelenken.

Der Durchfall ging über 3 Wochen….mit Pausen..aber ansonsten ging es mir gut. Daher ging ich nicht zum Arzt. Ich dachte, daß sei die Umstellung und das es sich von alleine legen wird. Tat es aber nicht. Nach 3 Wochen wurde mir die Sache doch unheimlich und ich ging ins Krankenhaus. Dort bekam ich erstmal Ärger. Der Doc verstand nicht, warum ich erst jetzt kam und verschrieb mir x Medikamente und gut war.

Der Durchfall ließ nach und ich dachte, damit sei es erledigt. Aber so war es nicht.

Einige Tage später hatte ich in der Nacht furchtbare Schmerzen in meinem großen Zeh und am nächsten Morgen tat mein Fußgelenk so weh, daß ich kaum aufstehen konnte. So etwas ist mir noch nie passiert. Es wurde immer schlimmer und ich rannte wieder zum Arzt. Dr. Elvis (ja, der hieß wirklich so und sieht aus wie Jerry Lewis) machte x Labortests mit mir und tippte auf Gicht, Rheuma usw. Als alle Pillen nicht halfen, schickte er mich zu einem Fachmann. Und als ich bei dem saß, bekam ich eine glasklare Diagnose. Reaktive Arthritis.

Die Durchfallviren hatten sich in meine Gelenke gesetzt und nun hatte ich den Salat. Der Arzt gab mir einiges an Medikamenten, ich musste 2 Mal wiederkommen und dann wurde alles abgesetzt und es hieß, daß man jetzt nur noch warten kann. Die Ausheilung kann 6 Monate oder ein Jahr dauern.

Nachdem ich schon ca. 3 Monate wie eine alte Frau durch die Gegend humpelte und alle mich geschockt fragten was los sei, meinte eine gute Freundin, daß ich mal zu ihrem Ayurvedaarzt gehen sollte. Er wäre genial und könnte mir helfen.

Mein Schatz unterstützte die Sache zu 100% und so flog er aus beruflichen Gründen nach Delhi und ich blieb für ca. 10 Tage in Goa zurück um eine 7 Tage Entgiftungskur zumachen.

Meine Freunde in Palolem boten mir ihre Wohnung an, damit ich nicht von Benaulim nach Palolem (ingesamt 2 Stunden Fahrt) pendeln muß….und das jeden Tag. Der Arzt war nämlich im Süden Goas.

2 Wochen vor der Behandlung hatte ich natürlich ein langes Gespräch mit dem Doktor. Er fragte mich alles Mögliche über meine Krankheit, meine Eßgewohnheiten, meinen Schlafrhythmus, meine Träume usw. Er untersuchte mich, machte sich Notizen usw. und sofort. Am Ende meinte er, daß mein Körper aus der Balance ist und daher müsste ich entgiftet werden.

Ayurveda ist die Lehre des Gesunden Lebens. Eine sehr alte indische Behandlungslehre, die in Indien sehr ernst genommen wird. Es gibt ganze Ayurvedakrankenhäuser.

Am Vorabend musste ich mir einen Becher Ghee abholen. Das ist Butterfett, das in Indien sehr beliebt ist, da es lange hält und nicht gekühlt werden muß.

Das Programm sah so aus:

Jeden Morgen musste ich etwas von dem Ghee essen (auf nüchteren Magen). Am Anfang waren es 2 Eßlöffel, am 2. Tag 4 Eßlöffel…usw. Mir wird jetzt noch schlecht bei der Erinnerung. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie ekelhaft das war.

Nach diesem Gheefrühstück ging es zur Behandlung. 2 Männer waren für mich zuständig. Der eine kochte die Öle und der andere massierte mich. Beide waren sehr nett. Ich war nur irritiert, daß Männer mich massieren durften, da in Indien normalerweise streng nach Geschlechtern getrennt wird.

Du wurdest in einen abgedunkelten Raum geführt. Eine große Holzliege stand mitten im Raum. Ich musste mich bis auf die Unterhose entkleiden und mich dann auf die Liege setzen. Nun wurde ein Gebet vorgetragen und ich bekam einen Ölpunkt auf die Stirn. Dann musste ich mich hinlegen. Nun folgte eine lange Massage. Danach gab es einen Stirnguß (da wird warmes Öl in einen Trichter gefüllt und langsam über Deine Stirn gegossen). Dann musste ich eingeölt wie eine Sardine in ein Dampfkasten, um richtig zu schwitzen. Ich wusste gar nicht, daß ein Körper sooo schwitzen kann. Während ich da so in dem Kasten saß, roch es nach Steckrübeneintopf und ich hoffte, daß man nicht vor hatte mich zu essen. Nach dem Schwitzen kam dann der schönste Teil….der Einlauf…..

Davor hatte ich am meisten Angst, da ich so etwas noch nie gemacht hatte und die Sorge hatte, daß ich gleich Richtung Klo laufen müsste.

Den Einlauf hatte der Arzt gemacht. Ich musste mich seitlich auf den Tisch legen und dann ging es los. 250 ml Kräutersud wurden mir eingeführt.

Es war kein Problem. Ich hatte keinen Druck und erst viel später zu Hause musste ich aufs Klo. Am 2. Tag war ich schon viel entspannter, aber da bekam ich eine andere Mixtur und es waren diesmal 500ml. Während des Vorgangs dachte ich schon, daß ich platzen würde, sprang nach Beendigung halbnackt vom Tisch und rannte Richtung Klo. Dort verbrachte ich dann mal eine Weile….

In der ganzen Woche durftest Du kein Alkohol trinken, kein Fleisch essen, nicht rauchen und nicht in die direkte Sonne.

Nach jeder Behandlung bin ich eingeölt mit dem Fahrrad nach Hause gefahren und habe erstmal kräftig geduscht…..das Öl bekamst Du kaum aus den Haaren und dann wolltest Du einfach nur schlafen. Du bist soo müde und Du leidest auch unter Stimmungsschwankungen. Extrem wurde es, als ich spätabends Hunger bekam und kein Brot mehr da war…..ich fing an zu weinen….voll balla, aber ich war halt unter Behandlung.

So verging die Woche….Massagen, Einläufe, Schlaf und an einem Morgen kotzte ich das Ghee wieder aus. Mein Magen wollte einfach keine 8 Löffel Butter zu sich nehmen.

Das Gute war, daß die Schmerzen in den Gelenken immer weniger wurden. Die Behandlung schlug wirklich an.

Als die Woche vorbei war, gab es ein Gespräch, ich wurde gewogen und ausgemessen und dann hieß es, daß nun der große Entgiftungstag bevorstand. Ich: Wie?

Er: Na, die Entgiftung.

Ich: Aber das mache ich doch die ganze Zeit.

Er lacht: Nein, nein….all das war nur die Vorbereitung auf die Entgiftung….jetzt geht es erst richtig los.

Ich schluckte…..

Der Arzt gab mir eine kleine Papiertüte. Darin waren Kräuter….ein Teelöffel voll.

Er: Morgen stehen sie um 5 Uhr morgens auf. Nehmen sie die Kräuter und schlucken sie sie mit etwas Wasser. Wenn sie dann weiterschlafen möchten, ist das ok. Später werden sie das Bedürfnis haben zu spucken….das ist gut, denn das ganze Gift muß raus. Sollte es zu schlimm werden, nehmen sie diese Pille ein. (Er zeigte mir eine braune Kugel)

Er: Diese Pille stoppt alles…aber dann ist auch die Entgiftung fehlgeschlagen. Alles war dann umsonst.

Er: Nichts essen und nichts trinken…..erst am Abend eine kleine Brühe, falls Hunger da ist…..und schlafen ist auch nicht erlaubt.

Ich verstand und ging nach Hause.

Nun, ich war etwas aufgeregt, aber ich dachte, daß ich so einen künstlich hergestellten Magen-Darm Virus schon überleben werde…..ich wusste ja nicht was für ein Höllentag vor mir lag.

Am nächsten Morgen stand ich um 5 Uhr morgens auf. (Ach so….ich vergaß zu erwähnen, daß meine Freunde, zu diesem Zeitpunkt in Rajasthan waren. Ich war also alleine).

Ich setzte mich müde an den Tisch, öffnete die Papiertüte, nahm das Häufchen Kräuterpulver in den Mund und schluckte Wasser hinterher. EKELHAFTER GESCHMACK. Dann wollte ich wieder ins Bett krabbeln. Aber daraus wurde nichts. Die Magenkrämpfe setzten nach 5 Minuten schon ein. Mir wurde kotzübel und ich rannte ins Badezimmer. Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen…..ich habe 4 STUNDEN!!!!!!! neben der Klobrille gehockt. Ich habe gespuckt, geweint, gespuckt, geweint. ES WAR DIE HÖLLE!!!!!! Ich wollte immer wieder zu der braunen Kugel greifen, die diesen Alptraum beenden würde, aber ich wollte durchhalten. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie schlimm diese Stunden waren…..wenn ich das vorher gewusst hätte……

Als der Abend hereinbrach und ich total fertig im Wohnzimmer saß, war ich so dankbar, als ich spürte, daß die Krämpfe nachließen. Irgendwann schlief ich erschöpft ein.

Am nächsten Tag gab es das große Nachgespräch mit dem Doktor.

Und den Tag darauf ging es mit dem Flieger Richtung Delhi zu meinem Schatz.

Was mir die Behandlung gebracht hatte? Ich hatte viel weniger Schmerzen, ich fühlte mich im ganzen viel ausgeglichener und ich hatte 5 Kilo verloren.

(Die aber dank der österreichischen Küche wieder drauf sind 🙂 )

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12 Gedanken zu “Entgiftungskur in Indien

  1. oh weia, klingt schlimm die Entgiftung… obwohl, wenn ich dann so zurückdenke an meine erste Schwangerschaft, da hab ich über 4 Monate von morgens bis abend der Kloschüssel „Guten Tag“ gesagt und 10 kg abgenommen, da ist ein Tag ja ein Spaziergang dagegen *lol*, nein, Spaß beiseite, Dir war bestimmt mulmig, gerade weil auch keiner da war bei Dir, oder?

  2. Das ist ja abgefahren…
    Hier in der Nähe gibt es einen Ayurveda-Bauernhof, auf dem man Urlaub mit Behandlungstrallala machen kann. Da fährt eine Kollegin hin, die ist super begeistert… aber vermutlich greifen die dort nicht zu den ganz harten Bandagen 😉

    Ich finde grade diese Sachen, bei denen die Schulmedizin meist nur fiese Mittelchen verschreibt die nur halb helfen oder mit den Schultern zuckt, kriegt man meist mit „Alternativen“ Methoden eher in den Griff. Ich werde demnächst eine Behandlung mit Traditionell Chinesischer Medizin machen und hoffen, dass die Neurodermitis sich dahin verkriecht, wo sie hergekommen ist…

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