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Gebetsrollen sind zum Drehen da

So, die Reise ging also mit dem Bus nach Dharmsala. Der Ort wo die Exilregierung Tibets seinen Sitz hat.

Die Busfahrten waren der Wahnsinn. Wir sind mit einfachen öffentlichen Bussen gefahren. Wir waren die einzigen Weißen und die Busse waren immer voll.

Gepäck wird auf das Dach geschnallt. Wir haben aber unsere Koffer auf die Rückbank verfrachtet, da wir niemanden fanden, der unsere Koffer aufs Dach getragen hätte. Anscheind musst Du das alleine machen. Auch das Befestigen der Gepäckstücke überlassen sie Dir. Also kam es für uns nicht in Frage und die Inder hatten mit uns Ausländern Nachsicht.

Es gibt einen Fahrer und einen Ticketverkäufer. Der Bus fährt im Affenzahn auf den kurvigen Bergstraßen. Wenn der Bus halten soll pfeifft der Ticketverkäufer in seine Trillerpfeife. Dann steigen Leute aus und ein. Alles geht ziemlich schnell. Und bevor alle sitzen pfeifft der Ticketverkäufer nochmals und der Bus rast los. Wir haben schon viele Menschen durch den Bus fliegen sehen. Dann kommt der Ticketverkäufer zu den neuen Passagieren und kassiert ab.

Irgendwann gibt es dann eine größere Pause. Da hat man die Möglichkeit aufs Klo zugehen und sich etwas an den Straßenständen zu kaufen.

Wenn man diese Busse von außen sieht, fallen einem immer die Kotzspuren auf, die die kompletten Seiten der Busse zieren. Es wird nämlich vielen Indern schlecht auf den kurvigen Straßen. Besonders Frauen sind betroffen. Ich hatte das Glück, daß ich immer so eine Dame vor mir sitzen hatte. Da wurde gewürgt, Fenster aufgerissen und gekotzt und das im 5 Minutentakt. Ich konnte zum Glück immer rechtzeitig mein Fenster schließen, damit Ihre Kotze nicht wieder bei mir reinflog. Ich versuchte mich dann immer abzulenken….denn wenn ich jemanden kotzen höre, kann das bei mir auch schnell losgehen.

Naja, irgendwann kamen wir dann in Dharmsala an. Da es schon spät abends war und wir müde waren, blieben wir im Hotelrestaurant, um noch eine Kleinigkeit zu essen und dann wollten wir nur noch ins Bett. Als wir im Restaurant saßen (wir waren die einzigen Gäste) legte uns der Tibeter eine Speisekarte hin. Wir waren aber 3 Leute. Ich fragte, ob wir nicht noch 2 dazu bekommen könnten. Er lächelte und meinte, daß das nicht geht, da sie nur eine Karte für das ganze Restaurant haben.

Ah ja….

Die Essenbestellung verlief auch chaotisch und als dann endlich das Essen da war,hatten wir Stromausfall und sahen gar nichts mehr. Aber das ist ja schon normal 🙂

Am nächten Tag erkundeten wir den Ort und ich muß sagen, daß ich enttäuscht war. Überall verkauften Souvenirstände den gleichen Kram, die Haupt-Tempelanlage war nicht schön (ein trister Block) und überall hingen riesige Plakate mit Bildern der Selbstverbrenner. Auf den Fotos konnte man die Menschen im Feuer schreien sehen. Also ganz ehrlich…..so eine Darstellung fand ich nur geschmacklos. Wer will das sehen? Und warum wird so etwas als gut befunden?

Überall liefen tibetische Mönche herum. Sie saßen auch in den Cafés und Restaurants und tranken Kaffee und aßen Pizza. Ein irgendwie schräges Bild.

Aufgefallen war mir auch, daß viele weiße Frauen dort vorzufinden waren. Sie schlenderten selig durch die Gassen, oder saßen im Tempelkomplex unter einem Baum. Und man spürte, daß diese Frauen auf Sinnsuche waren. Sie wirkten verloren. Und ich dachte nur, daß ich mir nicht vorstellen konnte, daß sie dort ihren Weg finden werden. Diese ganze Tibetnummer wurde super vermarktet. Man spürte es an jeder Ecke. Diese ganze Tibetgeschichte wirkte wie ein Teil von Disneyland…..ich muß sagen, das dieser Ort der schwächste auf unserer Route war.

Schön war aber der Kreisweg. Pilger sollen im Uhrzeigersinn einmal um den Tempelkomplex gehen. Dabei sollen die Gebetsrollen gedreht werden, die auf dem Weg zu finden sind.

Wir sind versehentlich gegen den Uhrzeigersinn gegangen. …..ups…..

2 Tage später ging es dann mit einem Luxusbus Richtung Delhi. 12 Stunden Fahrt und dann würden wir wieder im Dreck sein. Die Tage in den Bergen waren vorbei.

Es war ein Nachtbus. Wir fuhren kurz nach 18 Uhr ab. Die nächste Pause sollte es in 3-4 Stunden geben. Nachdem wir ca. eine Stunde unterwegs waren, schaltete der Co-Pilot den Fernseher an. Es sollte ein Spielfilm gezeigt werden. Ich war sicher, daß irgendein Bollywoodfilm  gezeigt werde würde. Aber ich lag falsch. Da war ich doch geschockt, als der Film anfing. Eine halbnackte indische Schönheit saß am Meer und sagte: „I was a pornstar“.

Hähh??!!  Das prüde Indien zeigt in einem Reisebus einen Sexfilm??

Der Film stellte sich als Erotikthriller heraus.  Schlechtes Drehbuch, sauschlechte Schauspieler, aber schöne Inderin mit sexy Körper.

Die Fahrt war manchmal gruselig, zum Bespiel, als der Bus in die Gegenfahrbahn fuhr und geisterfahrertechnisch Richtung Tankstelle brauste. Ansonsten verlief alles ohne Probleme.

In Delhi verbrachten wir nicht viel Zeit. Nach 2 Tagen saßen wir schon wieder im Zug…..30 Stunden Richtung Goa. Die Fahrt war ok. Da man Schlafmöglickeiten hatte. Essen wurde auch ständig verkauft. Und somit las ich viel, spielte mit den anderen Karten, oder schaute einfach nur aus dem Fenster.

Nun sind wir seit 1,5 Wochen in Goa. Was ich hier schon erlebt habe, erzähle ich später 🙂