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Trost geben = Mensch sein

Gestern Abend stand ich an der Haltestelle und wartete auf den Bus.

Plötzlich hörte ich eine weinerliche Stimme hinter mir.

Ich drehte mich um und sah eine junge, hübsche Frau mit einem Handy am Ohr auf die Haltestelle zugehen.

„Was hätte ich denn machen sollen?“ fragte sie mit Tränen in den Augen in das Handy.

Sie schaute auf den Busplan, nickte, wischte sich eine Träne weg und sagte wieder: „Ja, aber was hätte ich denn machen sollen?“

Ihr Gesprächspartner legte dann wohl einfach auf,  da sie plötzlich das Handy vom Ohr nahm und noch trauriger drauf schaute.

Dann stellte sie sich in eine Ecke der Haltstelle und tupfte mit einem Taschentuch ihre Tränen weg.

Als ich da so stand, hatte ich irgendwie das Bedürfnis zu ihr rüberzugehen und sie zu trösten.

Ich wollte zu ihr gehen und fragen was los ist.

Aber dann dachte ich, daß das evtl. ein Eingriff in ihre Privatsphäre wäre.

Vielleicht will sie nicht, daß Fremde sie an der Haltestelle anquatschen. Wohlmöglich wäre es ihr unangenehm.

Dann überlegte ich, ob ich wollen würde, daß jemand einfach auf mich zukommt und mich tröstet.

Meine Entscheidung über trösten und nicht trösten wurde dann vom ankommenden Bus abgenommen.

Ist Trost geben nicht menschlich? Aber warum hat niemand an der  Haltestelle reagiert….einschließlich ich?