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Tolle Nacht in Delhi

Hallo alle zusammen, liebe Grüße aus der indischen Hauptstadt Delhi.

Ich bin immer noch gesundheitlich angeschlagen, aber ich gehe davon aus, daß ich spätestens nächste Woche, wenn wir wieder Richtung Himalaya reisen (diesmal noch höher), wieder gesund sein werde….dort ist einfach bessere Luft.  Die schlechte Luft in dieser schmutzigsten Stadt Asiens ist nicht gerade hilfreich beim Gesundwerden und Gesundbleiben. Hier leben fast 17 Mio. Menschen, dementsprechend viele Autos, Tuktuks, Mopeds, Buse usw. sind auf der Straße unterwegs, dann kommt noch die Industrie dazu und die extreme Staubbelastung durch die vielen unasphaltierten Straßen.

Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben.

Gestern abend sind für zu eine bekannten Sufi Moschee gefahren, um uns dort die berühmten Sufisänger anzuhören.

Der Sufismus ist ein muslimischer Glaube. Die Moschee liegt natürlich in einem Moslemviertel und daher waren alle Frauen verschleiert. Deswegen habe auch ich meinen Kopf bedeckt.

Wir sind durch die Moschee geschlendert, die sehr voll war und beobachteten die betenen Menschen.

Am Rande bekamen wir auch einen Tumult mit. Es wurde eine begrenzte Menge Reis verteilt und eine Gruppe von Menschen drängelte wie verrückt zu der Ausgabe. Sie schubsten sich und geschrien wurde auch. Wer Glück hatte und es zur Ausgabe schaffte kam strahlend mit einer kleinen Tüte gekochtem Reis zurück.

Nachdem wir schon fast eine Stunde in der Moschee waren, fragten wir wann die Sufisänger kommen würden. Uns wurde gesagt um 21 Uhr. Also erst in über 2 Stunden. Wir entschieden zu gehen.

Die Gassen in diesem Viertel waren eng und voller Menschen. Überall spielte Musik und die Luft war getränkt von Rosenduft, da Rosenköpfe überall als Opfergaben verkauft wurden.

Wir sind wirklich durch das Mittelalter spaziert. Anders kann man es nicht beschreiben.

Dann kamen wir an einem Essensstand vorbei mit leckerem Grillfleisch. So etwas bekommt man natürlich nicht bei den vegetarischen Hindus. Wir haben uns gleich hingesetzt und etwas bestellt.

Das Fleisch war super lecker gewürzt nur leider wieder viel zu scharf für mich  😦 Mein Freund aß sogar Büffelherz. Ich habe ein Stück probiert, aber meins war es nicht.

Ein Paar aus Bangladesh und ein Afrikaner aus dem Sudan saßen bei uns am Tisch. Er erzählte uns, daß er schon 6 Jahre in Indien leben würde und das viele Teile Afrikas sehr gefährlich seien. Er wäre einmal in Kenia gewesen und da hat man ihm im Hotel gesagt, daß er alle Wertsachen im Hotel lassen soll, da es ihm sonst gestohlen wird. Er hörte auch damals von einem Touristen, der im Auto saß  und seinen Arm während der Fahrt heraushielt. Er trug eine Armbanduhr. Angeblich sind 2 Typen mit einem Motorrad an dem Auto vorbeigefahren und haben dem Touristen den Arm abgeschnitten, um an die Uhr zu kommen. Ich war geschockt als ich diese Geschichte hörte, aber als er dann als nächstes erklärte, daß es in Afrika Tiger geben würde, da wurde ich etwas skeptisch, ob er weiß wovon er redet.

Nach dem Essen, wir waren wieder in unserem Viertel, sahen wir eine große Bühne unter freiem Himmel und viele Menschen, die sich dorthin begaben. Irgendeine Vorführung sollte stattfinden. Wir haben uns dann auch gleich mit in die Menge gesetzt.

Der Trubel bevor die Show losging war genial. Alle waren da….Mama, Papa, Oma, Opa, Kinder, Babys…egal…..und das um diese Uhrzeit…es war schon nach 21 Uhr.

Die Jungs und die Männer mussten getrennt von den Frauen und Mädchen sitzen. Die weibliche Fraktion hatte den vorderen Teil vor der Bühne und die männliche Fraktion musste viel weiter hinten sitzen. Wenn Jungs versuchten sich trotzdem zwischen die Mädchen zu setzen, kam ein Aufpasser mit Stock und zog das Kind mit Gewalt zurück auf dessen Platz. Die waren da knallhart. In einer Situation zog der Aufpasser wie wild an einem Arm eines Jungen und die Mutter hing am anderen Arm. Anscheind wollte sie, daß der Junge bei ihr sitzen bleiben kann. Es wurde paar sekundenlang geschrien und gezogen und dann war der Kampf für den Aufpasser gewonnen 🙂

Was direkt auf der Bühne abging konnten wir natürlich nicht verstehen. Der Vorhang war zu und ein Onkel sprach 10 Minuten

Dann 5 Minuten Auftritt

Dann wieder Vorhang und Onkel trat auf die Bühne.

Als der Vorhang zum dritten Mal fiel, verließen wir diesen Ort, um ein kühles Lassi aus einem Tonbecher zu schlürfen 🙂

Und am Schluß wollte ich noch kurz etwas zu meinem indischen Outfit sagen.

Das Foto ist nicht das Beste, aber da seht ihr mal die gesamte Kleidung.

Man nennt dieses Gewand salwar kameez.  Kameez ist das lange Oberteil, Salwar die Hose und der Schal dazu heißt dupatta.

Ich liebe diese Art Kleidung und trage sie hier in Indien fast jeden Tag. Auch in Wien bin ich oft so unterwegs gewesen 😀

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Indischer Star im Kindergarten

Ich hatte meinen beiden Ziehkindern (5 und 4 Jahre) letzte Woche versprochen in indischer Kleidung zum Kindergarten zu kommen, wenn ich sie abhole.

Gestern war das Wetter aber nicht sehr gut. Es war kalt, grau und regnerisch.

Deshalb wollte ich die Aktion fallen lassen.

Mein Plan B war die Kinder „normal“ abzuholen und dann zu Hause bei mir eine indische Mode-Schau abzuhalten.

Kurz bevor ich die Wohnung verlassen wollte, bekam ich aber das Gefühl, dass ich UNBEDINGT indisch zum Kindergarten MUSS!!!

Ich zog ich mich also wieder um.

In Rot und Gold gehalten (Bindi klebte auch auf meinem dritten Auge) trippelte ich zur U-Bahn und nach der U-Bahn in die Straßenbahn.

Ich kann Euch sagen…..angenehm war es nicht.

Als ich aber dann vor dem Kindergartentor stand, wusste ich, daß meine Entscheidung richtig war.

Die beiden Mäuse müssen mich groß angekündigt haben.

Denn als ich den Hof betrat, hörte ich laut: MASCHA IST DAAAAAAAAAA!!!!!!!

Und plötzlich klebten 30 Kinder inklusive Kindergärtnerinnen an den Glasscheiben.

Ich machte eine indische Begrüßung und löste damit Freudenrufe aus.

So muß sich ein Star fühlen 😉

Im Gebäude drin hingen meine beiden Ziehkinder schon an meinen Armen und versicherten mir, daß sie mich sehr vermissen werden.

Dann fragte mich der Ziehjunge, ob ich schüchtern sei. Wenn nicht, würde er mich gerne seiner Gruppe vorstellen.

Wie süß!!! Er nahm auf meine Gefühle Rücksicht 😉

Also wurde ich noch mal genau von allen inspiziert und mit Fragen gelöchert.

Dann brachen wir auf und verbrachten einen schönen letzten Tag zusammen und am Abend trafen wir dann noch die Eltern zum Abschiedsessen.

(Ich trug jetzt aber wieder etwas „westliches“…..ich hatte die Kinder mit in meine Wohnung genommen und mich dort umgezogen.)

Meine „indische“ Aktion hatte die beiden Kleinen sehr glücklich gemacht und war somit ein schönes Abschiedsgeschenk.

Ihr werdet mit fehlen!!!!!

Aber wir bleiben in Kontakt.

Namasté!!!!