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Putzen und Hupen…..nur auf eigene Gefahr!!!

Heute las ich wie jeden Morgen indische Zeitungen und stolperte über diese Geschichte.

In Margao, daß ist die größte Stadt im Süden Goas (von uns 10 Minuten mit dem Moped entfernt), ist auf dem Fischmarkt Mittwochabend laut Augenzeugen folgendes passiert:

Ein Deutscher wollte mit seinem am Fischmarkt geparkten Moped wegfahren. Dieser war aber von einem Laster blockiert. Der Fahrer des Lasters lieferte gerade Fisch aus. Den Schlüssel ließ er im Zündschloß.

Der Deutsche schaffte es anscheinend nicht mit dem Moped an dem Fischlaster vorbeizufahren und wurde daraufhin sehr wütend.

Das der Fischmann weit und breit nicht zu sehen war, stieg der ungeduldige Landsmann in die Fahrerkabine des Lasters ein.

Laut Aussage des Deutschen wollte er nur die Hupe des Fahrzeugs benutzen, um den Fischlieferanten auf sich aufmerksam zu machen.

Der Deutsche startet aber nicht nur den Laster, sondern dieser setzte sich auch in Bewegung.

Resultat: Der Fischlaster demolierte 11 Mopeds, die neben dem Fahrzeug parkten und ein Auto.

Und wie es in Indien so ist, versammelte sich sehr schnell ein wütender Mob. Und dieser Mob  zog den deutschen Unschuldshuper aus dem Fahrzeug.

Dann erfolgte eine indische Lektion. Nie, nie, die Hupe eines Inders betätigen und schon gar nicht ungefragt eine Spritztour mit einem Fischlaster unternehmen.

Um sicher zu gehen, daß diese Botschaft auch wirklich beim Deutschen angekommen ist, habe die Goaner ihm diese Information regelrecht rein geprügelt.

Das nenne ich mal Kulturschock 2000 🙂

Als die Polizei eintraf, zerstreute sich die Menschenmenge und der Deutsche wurde ins Krankenhaus gebracht.

Der Möchtegern-Fischlasterfahrer war aber nicht schlimm verletzt.

Der Fall ist damit abgeschlossen.

Es gibt keine Polizeianzeige, da sich die betroffenen Parteien geeinigt haben.

Es lebe die Indisch-Deutsche Freundschaft!!! 🙂

Diese Geschichte ist so super wie die aus Schweden letzte Woche:

Eine Putzfrau reinigte die Fahrerkabine eines Zuges und dabei drehte sie versehentlich den Schlüssel zum Starten des Zuges herum.

Der Zug fuhr daraufhin los und donnerte in einen Bahnhof, direkt in ein Gebäude.

Die Polizei dachte zuerst, daß die Putzfrau den Zug mit Absicht entführt hatte.

In Wirklichkeit wollte sie nur Staubwischen. Die Schwedin stand nach diesem Vorfall unter Schock.

 

Hmm, ich sehe gerade, daß ich mal wieder putzen müsste…..und irgendwie habe ich jetzt Lust auf Fisch.

 

 

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Hirnwichserei gestoppt…..und alles Top!!!

Gestern fühlte ich mich nach dem schon erwähnten Strandspaziergang viel, viel besser. Mittags hielten wir Siesta und während ich so auf dem Bett lag und mich ausruhte dachte ich mir: Weißt Du was??!! Schluß mit der Hirnwichserei!!! Immer grübeln, immer Sorgen machen, immer an morgen denken und was dann ist….immer an vergangenen Ereignissen kleben und die Bilder immer und immer wieder durchspielen…..das kann nicht gut sein…..das Gehirn mag diese Beschäftigung mögen, aber mein Herz und meine Seele haben die Schnauze voll!!

Also habe ich für mich beschlossen….diese spezielle Hirntätigkeit auszuschalten.

Ich bin also gut gelaunt, mit dem Vorhaben nur noch im Hier und Jetzt zu leben, aus dem Bett gesprungen….naja, um ehrlich zu sein….so war es nun auch nicht…..ich schlief noch und mein Freund weckte mich kurz nach 15Uhr, da wir ja noch in die Stadt reinfahren wollten, um Kleidung und Bücher zu besorgen.

Ich öffnete verschlafen die Augen, kroch aus dem Bett und zog mich im Zeitlupentempo an…..Gott, war es wieder heiß….

Als ich dann langsam wach war, hatte ich nur noch eines im Sinn…..BÜCHER!!

Ich hatte schon seit Tagen nichts mehr zu lesen. Nicht, daß ich mich langweilen würde, aber es gibt immer mal paar Minuten am Tag, die ich gerne 1 oder 2 Seiten lese. In der Mittagspause, kurz vor dem Schlafengehen, auf Toilette….usw. Ich denke auch, daß der Hauptgrund warum ich die letzten Tage so unrund war, darin bestand, daß ich nichts zu lesen hatte.

Nachdem ich meine mitgebrachten Bücher ausgelesen hatte, dachte ich schon, ich würde keine neuen Bücher bekommen….zumindestens nicht so einfach. Nur in den großen Städten, aber nicht in Goa, in den kleinen Örtchen….

Mein Reiseführer sagte mir aber, daß es angeblich in Magao….diese kleine Stadt ist ca. 15 Minuten mit dem Moped entfernt…die größte Buchhandlung Goas geben soll.

Ich musste da also unbedingt hin….besonders, weil wir Donnerstag nach Mumbai fahren….mit dem Zug….Dauer 14 Stunden!!!! Wie soll ich das ohne Buch überstehen?!

Ich also im Haus herumgetanzt und Bücher, Bücher, Bücher…wie ein Mantra aufgesagt. Mein Freund meinte dann, daß wir jetzt aber erstmal Klamotten einkaufen gehen….ich so: Bücher haben Priorität!!! Mir egal wie ich aussehe…..(naja, jede Frau wird wohl jetzt den Kopf schütteln, aber ich fühlte in diesem Moment so).

Wir fuhren also los und nachdem wir in Margao angekommen sind, schlenderten wir an den Ständen vorbei und schauten, was es so an Waren gibt.

Plötzlich standen wir vor einem wunderschönen Stoffgeschäft. Dort konntest Du Dir indische Kleidung maßgeschneidert zulegen. Ich suchte mir 2 hübsche Stoffe aus und dann rief der Ladenbesitzer den Schneider, damit dieser Maß nehmen konnte.

Während ich auf diesen Herrn wartete, saß ich auf einem halbzerbrochenen Plastihocker (ich hatte Angst, daß er zerbricht, wenn ich mich bewege…also bewegte ich mich nicht) direkt neben einem Ventilator Marke Tornado, der es schwierig machte nicht weggepustet zu werden. Meine Haare flogen in alle Richtungen….ich versuchte noch die Mähne zu bändigen…aber nach einer gewissen Zeit war es mir egal…. Hakuna Matata….ich saß aus wie der Löwenkönig…

Mein Freund bekam von dem nichts mit, weil er rausgegangen war, um die nächsten Läden zu erkunden. Als er wieder da war, kam auch gerade der Schneider. Der kleine Mann hatte Bilder von verschiedenen Ausschnittarten, Armlängen usw. mit, damit man sich aussuchen kann, was man geschneidert haben möchte.

Naja, eigentlich dachte ich, daß ICH aussuche….dass der Schneider mich fragt….aber haha…nicht in Indien…nein, nein….ich dachte ich schaue nicht richtig, aber der kleine Inder fragte meinen Freund….bei jedem Maß, daß er nahm, fragte er IHN wegen Länge, Breite usw. Ich schaute meinen Partner an und den Schneider. Ich versuchte Augenkontakt aufzunehmen…..Hallo!! Ich bin diejenige, die diese Kleidungsstück tragen wird!!! Als ich meinen Freund….Mr. Wichtig…anstieß und fragte was das soll, meinte er nur achselzuckend: So ist das hier in Indien. Der Mann hat das Sagen. Grinste frech und ging zur Kasse, um zu zahlen.

Keine Hirnwichserei!!!

Wir also weiter Richtung Buchladen. Ich hatte ehrlich gesagt die ganze Zeit Sorge, daß er gar nicht da sein wird, oder geschlossen ist, oder sie nur 3 Bücher haben und und und. Ich war schon ganz unruhig (das war eigentlich auch Hirnwichserei)….

Doch standen wir plötzlich vor einem dreckigen Eingang mit dem Schild „Golden Heart Bookshop“. Der Laden war eher eine heruntergekomme LKW-Garage in die 3 Wände gezogen wurden.

Aber für mich war es der Tempel der Glückseligkeit!! Ich ging hinein in dieses schmutzige, dunkle Geschäft und plötzlich sehe ich haufenweise Bücher. Überall!! Bis zur Decke gestapelt. Vom Kochbuch bis zum Roman…vom Selbsthilfebuch bis zur Kinderlektüre…es war alles da. Es war zwar total chaotisch sortiert, die Bücher rochen alle nach Keller und es war sehr eng, aber ich war im Himmel. Mein Freund sah schon das Glänzen in meinen Augen und wusste….Mist, die bekomme ich nicht so schnell nach Hause….Er fragte vorsichtig wie lange ich denn bräuchte….ich so: Ach, gib mit nur 10 Minuten….dann können wir gehen…..Natürlich war das gelogen, aber wenn ich mich mit Büchern beschäftige verliere ich komplett die Zeit. Nachdem ich dann eines gefunden hatte, wollte ich noch schnell ein zweites finden….eins ist nicht genug…das wusste ich…doch dann fiel der Strom aus!!! Mal wieder!!! Nun könnt ihr Euch ja vorstellen wie heiß es in dem Ding wurde und wie dunkel es in dieser Rumpelkammer war. Mein Freund wollte raus. Ich sah das Fluchtbedürfnis
in seinem Gesicht immer stärker werden. Aber ich wollte noch nicht. Ich so: Ja, ja…gleich…ich komme. Ich stolperte durch die dunklen Gänge und die Suppe lief mir den Rücken hinunter….es war sooo heiß!!!!

Mein Freund rief mir hinterher: Mascha komm endlich. Nimm irgendein Buch und koooooommmm!!!!

Ich tastete hektisch über die Buchtitel. Ich fand nichts. Ich schaute weiter. Da hörte ich meinen Partner schnaufend die engen Gänge entlang stapfen….er suchte mich…..ich musste mich beeilen.

Und zack…..stand er hinter mir: Vorbei, wir müssen hier raus…ich kippe gleich um!!! Während er mich Richtung Ausgang zieht, greife ich
noch schnell nach einem Buch, was ganz nett aussah….vom Bild her….als wir die Bücher bezahlt hatten, traten wir hinaus und atmeten die „kühle“ Luft ein. Ich strahlte wie ein Honigkuchenpferd…..

Nun gingen wir noch einkaufen. Wir fanden einen Laden wo es NUTELLA gab!!! JUHHHHUUUUU!!!!

Ich war mit mir und der Welt im Reinen. Bücher, etwas schönes zum Anziehen und Nutella….was will man mehr?

Weggemoped….

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Fahrt durch den Monsun

Vorgestern sind wir mit dem Moped in die Hauptstadt Goas
gefahren. Die Stadt heisst Panaji und die Fahrt dorthin war sehr schön. Überall
siehst Du Reisfelder und Palmen. Grün wohin das Auge reicht. Aber meinem
Hintern hat die Tour nicht so gefallen. Nach der knapp 1-stündigen Fahrt zur
Hauptstadt tat mein A**** ziemlich weh. Die Stadt selbst ist ganz nett. Wir
waren am Hafen, in einem Buchladen, bummelten herum und  aßen Mittag.

Es gibt dort auch eine weiße Kirche, die früher wichtige
Anlaufstelle für die Portugiesen war, die nach der langen und gefährlichen
Überfahrt von Europa nach Indien, das starke Bedürfnis hatten als aller erstes
Gott für die sichere Ankunft zu danken.

Später fuhren wir nach Old Goa. Diese ehemalige Hauptstadt
liegt ca. 10 Km von Panaji enfernt. Old Goa musste leider wegen Cholera-und
Malariaepidemien den Status Hauptstadt im 19. Jahrhundert aufgeben. Wir parkten
unser Moped am Gandhi Circle

und gingen zu der großen Basilika und zu der großen Kathedrale….die
größte Asiens.

Also wenn man diese Bauten sieht, denkt man nicht, daß man
in Indien ist.

Bei einer kleinen Rast lernten wir noch diesen süßen Schatz
kennen.

Ein Straßenhund. Super lieb und sehr hungrig. Wir kauften
ihm ein Stück Brot….was besseres gab es leider nicht und fütterten ihn. Am
liebsten hätten wir den Hund mitgenommen…..

Nun sollte die Rückfahrt stattfinden, bevor die Dunkelheit
hereinbricht.  Die indischen Straßen sind
schon gefährlich genug, da muß man nicht noch mehr riskieren.

Als wir losfuhren zogen sich schon Wolken zu schwarzen
Gebilden zusammen und man hörte leises Donnern.

Wir waren gerade mal 5 Minuten unterwegs, als es anfing zu
regnen. Noch nicht doll…

Dann wurde es aber etwas stärker, also meinte mein Partner,
daß es besser sei am Straßenrand zu parken und uns unter einen Baum zu stellen.
2 Inder folgten unserem Beispiel. Achso, als ich vom Moped stieg, trat ich
volle Kanne in einen frischen Kuhfladen….herrlich….

Da standen wir also und wurden etwas naß..und der Regen
wurde immer heftiger….und wir wurden naßer…bis wir merkten, daß dieser Guß
nicht nach paar Minuten aufhören würde. Die beiden Inder neben uns rannten zu
einem einige Meter entfernten Hüttchen, um sich unterzustellen und wir rannten
hinterher. Auf den Straßen bildeten sich Flüsse, das Gewitter wurde immer
stärker und ich habe noch nie soviel Wasser herunterkommen gesehen. Da standen
wir nun komplett durchnässt unter einem Palmendach mit einigen Indern darunter
eine alte Frau, die mich immer zahnlos anlächelte und warteten das es aufhört
zu schütten. Die Blitze und die Donner waren super laut und es regnete so stark,
daß Du teilweise nichts sehen konntest. Das war ein Erlebnis!!!

Nach einer halben Stunde war es vorbei.

Die beiden Inder, die auch als erstes unter dem Baum
standen, fragten ob wir Nessi kennen würden und ob die Geschichte stimmt. Mein
Partner, der mit diesen Fabelgeschichten überhaupt nichts anfangen kann…..ich
bin da schon etwas anders gestrickt….meinte dann zum Inder, daß er nicht wüsste
was dessen Zugang sei. Er fragte ihn, ob er auch glauben würde, daß
Ganesha, der Elefantengott, tatsächlich hier die Straße entlang gegangen
wäre….ein Mensch mit Elefantenkopf….

Der Inder schaute ganz ernst und sagte: Sicher ist Ganesha
hier entlang gegangen…sogar 3 Mal!!

Da sagte mein Partner: Tja, wenn das Dein Zugang ist….jaaa,
Nessi existiert!! Der Inder strahlte, wir sprangen auf unser Moped….Mascha
stieg versehentlich nochmal in den selben Kuhfladen und dann fuhren wir los.

Klatschnaß hatten wir noch 45 Minuten Fahrt vor uns und das
beste daran war….es fing nach einiger Zeit wieder an zu schütten. Uns war es
aber egal. Nasser konnten wir nicht werden. Also fuhren wir durch den Monsun.

Ich habe zwar gefroren und die Regentropfen schlugen mir wie
Hagelkörner ins Gesicht, aber dieses Erlebnis will ich trotzdem nicht missen!!

Als der Schauer wieder aufhörte, fing gerade an die Sonne
unterzugehen. Alles war in Orange getaucht, von der tropischen Vegetation
tropfte überall das Wasser herunter, Kühe mit ihren Kälbern kamen uns entgegen
und der Fahrtwind fing langsam an uns zu trocknen.

Ein traumhaftes Gefühl.

Ich war klatschnaß und meine Finger waren runzelig, als
hätte ich 2 Stunden in der Badewanne gesessen.

Da hieß es nur noch…ab unter die Dusche!!