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Mein Freund wird Rikschafahrer

Am nächsten Tag wollten mein Partner und ich mit einer Fahrradrikscha zur Schule fahren. Wir handelten den Preis aus, sprangen auf das wackelige Gefährt und der Fahrer (ein knochiges Männchen , eingehüllt in Lumpen) trat in die Pedalen. Der Verkehr war natürlich wieder der Wahnsinn. Die Straße war voll mit Autos, Tuktuks, Kühe, Menschen usw und Schlaglöcher gab es auch ohne Ende. Als wir dann in den Kreisel hineinkamen, standen wir komplett in der Mitte….und nichts ging mehr weiter. Alles steckte fest, wildes Gehupe war die Antwort. Ein Polizist mit Schlagstock versuchte den Fluß wiederherzustellen. Auf einmal kam ein großes Auto von rechts, rammte unsere Rikscha und fuhr weiter. Unser Fahrer wurde wütend, sprang von dem Fahrrad, schaute sich seine evtl. beschädigte Rikscha an und……rannte dem Auto hinterher.
Toll.
Da standen wir also in diesem Gefährt, mitten im Kreisel, keiner kommt weiter und unser Fahrer ist nicht mehr zu sehen. Der Polizist fängt an wie wild zu fuchteln und schreit etwas auf Hindi. Wir verstehen natürlich nur Bahnhof, aber wir wissen, daß wir hier im Weg sind. Mein Partner springt raus und versucht nun die Rikscha zu schieben.
Ein Bild für die Götter….ich musste so lachen!!!
Dann kam aber der Fahrer hektisch angerannt, sprang auf das Fahhrad, mein Freund hüpfte hinten wieder drauf und dann ging es los. Wir setzen uns langsam in Bewegung. Der Polizist war aber wohl sauer über diese Aktion und schlug erstmal mit seinem Stock dem Fahrer auf den Rücken. Der duckte sich und versuchte schneller in die Pedalen zu hauen. Als wir aus der Reichweite des Prüglers waren, drehte sich der Inder um und meinte: Die Polizei ist sehr böse zu uns. Ich komme aus Kalkutta und da sind die Polizisten viel netter.
Naja, wer es glaubt wird selig…..
Er tat mir leid….aber so ist das in Indien. Die Hierachien sind klar gesteckt. Ein Rikschafahrer zum Beispiel ist eher unten in den Klassen angesiedelt….und die „besseren“ Klassen gehen nicht nett mit diesen Menschen um.

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Voller Energie in Varanasi

Es war einfach nur schön!!! Jeden Morgen war ich schon vor meinem Partner wach, machte mich im Bad fertig und schlich aus dem Zimmer, betrat den Balkon und beobachtete den Ganges, der friedlich und mächtig an uns vorbeizog. Überall waren schon Menschen zu sehen, die im Fluß badeten und Gebete aussprachen. Hier an diesem Ort fühlte ich mich wieder lebendig und voller Energie.
Auch unsere Freunde, die wir seit 6 Monaten nicht gesehen hatten meinten, daß mich Indien verändert hat. Ich würde so strahlen. Ja, das hört man gerne 😉
Indien verändert einen Menschen. Dieses Land geht an einem nicht spurlos vorbei. Das ist wahr.
Am ersten Tag unternahmen wir eine Bootsfahrt auf dem Ganges. Unsere Freunde, die dort eine Schule für arme Kinder betreiben, organisierten diesen Ausflug. Die Kinder sollten mal etwas anderes sehen als die Stadt.
Es waren ca. 30 Kinder an Bord und es war ein riesiges Gewühle. Die Kinder sprangen herum und ich hatte furchtbare Angst, daß ein Würmchen ins Wasser fallen würde….die meisten Inder können nicht schwimmen. Wäre das passiert, hätte ich hinterher springen müssen, aber alleine der Gedanke in dieses verseuchte Wasser zu springen (Abfälle, Klärwasser, Leichen, menschliche Asche usw)sorgte dafür, daß sich bei mir alles zusammenzog….heiliger Fluß hin oder her….aber naja, wenn es hätte sein müssen, hätte ich Baywatch gespielt.
Wir fuhren mit dem Boot auf die andere Flußseite und dort war es unglaublich friedlich. Ein großer Strand und dahinter gab es kleine Dörfer mit Tieren, Brunnen, Feldern….so idyllisch….unglaublich, daß so eine Ruhe herrscht wobei doch die chaotische Stadt auf der anderen Flußseite so laut und voll ist.
Es war verdammt heiß und es gab nichts mehr zu trinken. Ich hatte auch vergessen etwas mitzubringen. Wir gingen mit den Kindern , den Lehrern und unseren Freunden in ein Dorf und dort fragte man, ob wir den Brunnen benutzen dürfen. Die Gastfreundschaft in Indien ist groß und daher war das gar kein Problem. Somit standen wir alle zusammen unter einem riesigen Baum, der Schatten spendete und die Kinder fingen an das Wasser aus dem Brunnen zu trinken. Ein Österreicher, der erst seit 2 Tage in Indien war und sich noch nicht wirklich auskannte, sprang auch zum Brunnen und wollte trinken. Ich konnte ihn gerade noch wegzerren. Ich erklärte ihm, daß dieses Wasser ihn furchtbar krankmachen würde. Großes Nein, Nein!!! Lieber jetzt durstig, als tagelang schlimme Magendarmbeschwerden.
Die Dorfbewohner schauten uns alle neugierig an und was das beste war: Überall standen kleine Ziegenbabys herum!!! Das war ja etwas für Mascha. Meine Lieblingsziege war Oreo….ich nannte das Baby so, weil es schwarz, weiß, schwarz war. Sah aus wie der Oreokeks. Ich trug das Baby herum und es legte sein Köpfchen an meinen Hals und kuschelte.
Der Ausflug war am späten Nachmittag zuende und wir waren auch ziemlich fertig….stundenlang in der Sonne, kein Wasser und schreiende Kinder überall um einen herum….das macht müde 😉

Fortsetzung folgt….

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Fotos, Fotos, Fotos!!!! Teil 1

Also, ich habe nochmal in meinem Computer gestöbert und noch Fotos von dem ersten Besuch in Varanasi gefunden (ja, da hatte ich noch meinen eigenen Knipsapparat)

Und diese Fotos zeige ich Euch jetzt. Viel Spaß 🙂


Ganges am Abend….Aussicht von unserem Guesthouse.


Unser Guesthouse


Ausblick am Tag


Schlangenbeschwörer


Holz für die Verbrennungen

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Wieder in Varanasi

Endlich war es soweit….vor knapp 6 Monaten war ich schonmal in dieser spirituellen Stadt und ich habe mir die ganze Zeit gewünscht sie wieder besuchen zu können.
Der Flug von Delhi war Dank des gutgestellten Blutzuckerspiegels ein Klacks. Es dauerte ca. eine Stunde und ich war voller Vorfreude. Das einzige was etwas störte war die Rotzparade der Inder im Flugzeug…..Die Inder benutzen in der Regel keine Taschentücher, sondern sie ziehen lautstark den Rotz soweit hoch, daß das Gehirn schon Sichtkontakt haben müsste….also…wenn….ähm… das Gehirn Augen hätte…..
Auch die Inderinnen sind stark vertreten in dieser Rotzvorführung…..im Flugzeug waren alle Sitze um mich herum von diesen Rotzern belegt…..wollte schon ein Taschentuch-Schußgewehr basteln, damit ich ihn Tempos an den Kopf schießen kann.
In Varanasi ging es dann ins Taxi. Eine Stunde Fahrt zu unserem Lieblingsguesthouse.
Ich genoß das Straßentreiben, überall waren Lichter angebracht (er war schon dunkel), religiöse Musik kam aus allen Ecken. Rikschas, Tuktuks, Kühe, Hunde, Schweine, Bettler, Händler usw…..es war alles zu finden. Touristen gab es natürlich auch. Ganze Rikschakolonnen zogen an unserem Auto vorbei. Anscheind Reisegruppen. In jeder Rikscha saßen zwei Personen und waren wie wild am fotografieren….also naja, eigentlich fotografierten meistens nur die Männer im Hawaiihemd. Die Frauen saßen daneben und klammerte sich an der Rikscha fest und schauten mit großen Augen in die Gegend. Auch große asiatische Gruppen in Rikschas waren zu sehen.
Als wir austiegen und mussten wir mit unserem Gepäck noch ein ganzes Stück zu Fuß gehen. Das wichtigste war nun sich nicht in diesem Gewimmel zu verlieren und nicht niedergerannt (Menschen), umgefahren (alles was fährt), oder gerammt zu werden (machen Wasserbüffel sehr gerne). Aber das war für uns Indienkenner kein Problem. Ich hatte meinen großen Reiserucksack auf dem Rücken, schob mich an Kühen und Menschen vorbei, sprang weg, wenn ein Tuktuk mich umfahren wollte….und fühlte mich wie eine Abenteuerin. Als wir dann durch die Gassen Richtung Ganges gingen, vorbei an Tempeln, kleinen Geschäften und Sadhus (indische Mönche) fühlte ich mich einfach wohl und war sehr glücklich dort zu sein.
Varanasi hatte mich wieder.

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Heute Abflug

Heute fliegen mein Schatz und ich nach Chennai (Ostküste Indiens), dann geht es nach Pondicherry (eine ehemalige französische Kolonie..auch an der Ostküste) und dann fliegen wir nach Varanasi (die Stadt der Toten…die heiligste Stadt in Indien…direkt am Fluß Ganges). Ich war schon einmal dort und es gefiel mir sehr gut. Es ist zwar dreckig und chaotisch und Du kannst sehr schnell krank werden, da das Essen oft kontaminiert ist, aber die spirituelle Energie, die dort zu spüren ist, ist der Wahnsinn. Chennai und Pondicherry kenne ich noch nicht. Aber in Pondicherry werden wir mitten im französischen Viertel wohnen und dort gibt es FRANZÖSISCHE Küche…ganz tolle Restaurant…überall!! Also wenn Ihr mich die nächsten Tag sucht…ich bin entweder die Dame vor der großen Käseplatte, in der einen Hand ein Baguette und in der anderen ein Glas Wein, oder ich bin die Lady, die sich gerade Schnecken in Knoblauchsoße gönnt 😀

Melde mich spätestens in einer Woche….habe sicher viel zu berichten 😉

Au revoir
La Mascha