Wurden beim Essen beobachtet

Gestern abend war es also soweit. Das Essen bei dem indischen, älteren Paar stand an. Ich hatte sie vorher noch nie gesehen. Meine Schwiegereltern in spe habe die beiden kennengelernt, als sie in ihrem Laden Sachen schneidern ließen…..anscheind habe sie dort soviel in Auftrag gegeben, daß die beiden Inder voller Freude zum Essen einluden.

Meine Schwiegermama in spe beschrieb mir was die Gastgeberin jeden Tag trägt. So eine Art Sari. Ich erklärte dann, daß das Paar dann sicher nicht aus Goa stammt. Die Goaner tragen andere Kleidung und sind entweder katholisch oder muslimisch.

Viele Inder aus den hinduistischen Nachbarstaaten kommen in der Saison nach Goa, damit sie am Tourismus mitverdienen.

Und das Paar kündigte auch an, daß es vegetarische Küche geben wird, da sie Hindus sind.

Also machten wir uns abends schick….ich zog meine goanische Tracht an und dann ging es kurz nach 20 Uhr aus dem Haus.

Auf unserem Weg lag die German Bakery. Wir wollten etwas mitbringen…eine kleine Aufmerksamheit und kauften paar Kuchenleckerein.

Bepackt und voller Vorfreude ging es dann weiter.

Da standen wir nun vor dem Schneiderladen. Ein älterer Herr kam auf uns zu. Begrüßte uns und dann sagt er nichts mehr. Er schaut nur.

Ich stellte mich vor und fragte wo seine Frau sei. Er zeigt auf eine Dame, die im Laden saß. Sie sprang auf, begrüßte mich. Wieder Stille.

Ich denke so: Mist, Mist….die haben bestimmt die Einladung verpeilt. Die wissen gar nicht was wir wollen…Mist, Mist.

Der Inder führte uns in seinen Laden. Er zeigte uns die Sachen, die er schon fertiggestellt hat.

Wir so: Oh, ah, schön……wieder Stille.

Meine „Schwiegereltern“ schauten etwas ratlos.

Ich denke so: Gut Mascha, jetzt mußt Du etwas sagen. Auch wenn es peinlich wird.

Ich wollte gerade meinen Mund aufmachen, als die Dame des Hauses uns nach draußen bat und meinte, daß wir ihr folgen sollen.

Wir also hinterher.

Mascha erleichtert.

Wir stiegen eine Treppe neben dem Laden hoch, zogen im Flur die Schuhe aus und befanden uns dann in ihrer Wohnung.

Im Raum stand ein Bett, daneben eine Sitzbank und ein Stuhl mit Tisch, daneben eine kleine Kochecke und daneben das Badezimmer.

Sie zeigte auf die Bank und meinte, daß wir uns hinsetzen sollen. Zack saßen wir. Sie setze sich aufs Bett und schaute uns wieder an.

Ich zu meiner „Schwiegermutter“: Gib ihr jetzt den Kuchen.

Sie strahlte, stand auf und sagte der indischen Dame, daß wir Kuchen aus der German Bakery mitgebracht haben.

Inderin guckt streng und sagt. Danke. Kann ich aber nicht essen. Da sind Eier drin. Ich bin strenger Hindu. Keine Eier!!

….naja kannte das ja schon von meinem indischen Bekannten…Großvater im Eigelb usw.

Aber nicht alle Hindus sind so strikt…woher hätten wir das wissen sollen? Manche Hindus essen auch Fisch und Hühnchen.

Schwiegermama schaute ganz enttäuscht und fing dann aber an auf dem Tisch den Kuchen auszupacken und erklärte dabei wie lecker der doch sei….so als wenn die Inderin, die schon seit x Generationen feste religiöse Vorstellungen hat, einfach alles vergisst nur weil sie den leckeren Schokokuchen sieht. Das war echt süß von meiner „Schwiegermama“.

Tja, dann ging die Dame in die Kochecke und fing an zu köcheln.

Ich fragte dann woher sie kommt.

Varanasi

Oh, toll, die Stadt der Toten…ich liebe diesen spirituellen Ort.

Sie nickte ernst.

Ich erzählte ihr, daß ich schon dort war und das es mir sehr gefallen hat und das ich Anfang Februar wieder dort bin.

Sie nickt.

Dann fragte ich sie, ob sie Kinder haben.

5…..3 Mädchen, 2 Jungs….alle verheiratet außer ein Mädchen.

Dann wieder Stille.

Ich fragte dann wie lange sie schon nach Goa kommen.

25 Jahre.

Naja…..also sehr gesprächig war die Dame nicht. Aber vielleicht musste sie sich auch auf das Kochen konzentrieren.

Dann kam der Gastgeber hoch.

„Schwiegermama“ bietet wieder Kuchen an. Er bedankt sich, nimmt ein Stück und geht wieder aus der Wohnung.

Ooookaaay.

Dann kam die Köchin mit Thalis daher. Thali ist eine Tablettschale mit einem Haufen Reis, einer Schale Dhal (Linsenbrei), einer Schale Alu Ghobi (Kartoffeln und Blumenkohl gekocht mit indischen Gewürzen) und einer Schale mit einem Art gwürzten Gemüse was ich vorher noch nie gegessen habe, aber köstlich war.

Es gibt viele verschiedene Arten von Thali. Unser Thali sah so aus.

Jeder bekam ein Tablett. Es wird mit Fingern gegessen und indisches Fladenbrot gab es auch noch dazu.

Dann setzte sich die Dame wieder uns gegenüber aufs Bett und sagte, daß wir essen sollen.

Hmm, ißt sie nicht mit? Dachte ich so.

Also fingen wir an. Was gar nicht so einfach ist mit den Fingern. Ich hatte aber schon etwas Übung, da ich schon öfters so essen musste.

Sie beobachtete uns beim Essen.

War uns etwas unangenehm.

Ich versuchte dann während ich aß sie in ein Gespräch zu verwickeln.

Naaaja, ging so.

Dann kam der Gastgeber wieder hoch….hatte anscheind den Kuchen unten im Laden verdrückt.

Ich dachte so: Gut, jetzt ist er da….jetzt werden sie auch essen.

Aber nein.

Er setzt sich auch auf das Bett und nun schauten beide zu wie wir aßen.

Zwischendurch kam dann der Inder zu uns an den Tisch und zeigte meinem „Schwiegervater“ wie man den Reis richtig mit dem Dhal vermischt.

Nach getaner Arbeit setzte er sich dann wieder aufs Bett.

Ich versucht wieder Gesprächsstoff aufzubringen…war etwas schwierig, weil der Gastgeber schlecht zu verstehen war. Wenn manche Inder englisch sprechen, hört sich das total merkwürdig an.

Ich fragte dann, warum sie nicht mitessen.

Er: Wir essen immer erst um 23Uhr, wenn der Laden geschlossen wird.

Oookaay.

Also aßen wir weiter. Jedsmal wenn eine Schale halbwegs leer war, kam die Inderin und füllte großzügig nach. Sie akzeptierte auch kein Nein.

Als sie mir aber zum 3. Mal aufüllen wollte sagte ich mit sehr viel Nachdruck Nein und machte die indische Absagen-Handbewegung…..die ist echt toll!

Naja, um zum Ende zu kommen…..um 20.30Uhr waren wir bei ihnen und um 21.30Uhr standen wir schon wieder auf der Straße.

Wir gingen dann nach Hause, disskutierten darüber WAS DAS WAR?! Und bemerkten alle, daß unser Magen ziemlich am Arbeiten war….wohl wegen den fremdartigen Gewürzen in dem einen Gemüse, die wir nicht kannten.

Heute morgen erfuhr ich dann, daß meine „Schwiegermama“ sich auch noch nachts übergeben hat.

Oh mann, daß tut mir leid….hatten sie sich doch so auf diesen Abend gefreut…..Kulturaustausch usw.

Naja, ich bin ja schon über 4 Monate in Indien und ich weiß, daß man hier mit allem rechnen muß.

Trotzdem war es ein  interessanter Abend und alleine für das eine Gemüsegericht, das ich vorher noch nie gekostet habe, hat es sich voll gelohnt dort hinzugehen.

Mahlzeit 😉

20 Gedanken zu “Wurden beim Essen beobachtet

  1. Kulturschock war auch mein erster Gedanke. Und gleich danach die Frage: Warum lädt man fremde Menschen ein, wenn man dann doch so… ähm… unkommunikativ ist?

    • Keine Ahnung. Vielleicht waren sie ja auch schüchtern, vielleicht konnten sie die englische Sprache nicht so gut…vielleicht sehen sie Leuten halt einfach gern beim Essen zu 😉

  2. Toller Bericht! Und die Handbewegung würde mich interessieren.

    Vielleicht ist es so ähnlich wie hier mit Essenseinladungen? Das wird oft einfach so gesagt, „kommt doch zum Essen“, aber solange du keine genaue Uhrzeit gesagt bekommst, ist das keine wirkliche Einladung.

    • Das war schon eine richtige Einladung…aber halt etwas merkwürdig….ja, in Deutschland geht nichts ohne genaue Uhrzeit. Die Handbewegung geht so: Du drehst den Kopf etwas abweisend zur einen Seite und die Hand, die erhoben wird auf Gesichthöhe, zeigt zur anderen Seite einfach nur mit der Innenfläche zu Deinem Ansprechpartner. Das wars 😉

  3. Oh je..das ist ja echt eher ein Kulturschock gewesen 😉 Tut mir richtig leid zu lesen, dass Deine Schwiegermami in spe sich übergeben musste…

    In Tunesien wurden wir auch oft eingeladen, nur einmal kam es vor, dass es am Tisch etwas stiller wurde..wir konnten kein Brocken französich und sie nur tunesisch und etwas französich 😉 Aber gegessen wurde zur Feier des Tages immer zusammen – jung & alt, Frauen & Männer, herrlich 🙂

  4. Was du so alles erlebst, finde ich sehr bemerkenswert und ich danke dir ganz herzlich, dass ich hier miterleben darf.
    Lese immer gerne deine Berichte, auch wenn ich nicht immer kommentiere.
    Grüßle
    SK

  5. Tja, haarige Sache, andererseits hat man doch irgendwann gelernt: Beim Essen spricht man nicht, oder so ! Mit Fingern essen find ich gut, das beschleunigt den lästigen Abwasch. So der Star des Abends sein, nach dem Motto “ Ich ess mal was für euch!“, das hat was. Ich werde bei meiner Pizzaria mal anfragen, ob sie mich zum Voressen einladen, für Rückfragen gebe ich deine Adresse an, wenn es Recht ist. YDu * …grübel…der olle Florentiner kennt den Brauch sicher nicht, so ein Pech auch … 😉

  6. Wenn Frohnaturen Flegmatikern begenen 😛 Etwa so spannend wie einen Metaller in die Oper zu schleifen. Eindrucksvoller Bericht über Kulturen, Gewohnheiten und Kommunikation, liebe Mascha. Grüße Martin

  7. Ich würde dieses Erlebnis schlichtweg als Kulturschock bezeichnen – ich hätte in solch einer Situation keinen einzigen Bissen runter bekommen, weil ich mich unbehaglich und wie im Zoo gefühlt hätte… Ich frage mich, warum man Gäste zum Essen einlädt, wenn man nicht mit ihnen zusammen isst, geschweige denn sich mit ihnen unterhält !?

    Ich danke dir jedenfalls ganz herzlich für deine lebhaften Berichte aus dem fernen Indien – lese sie immer sehr gerne, auch wenn ich in letzter Zeit kaum Kommentare hinterlassen habe…

    Ganz liebe Grüße!

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